
Mit meiner Tochter komme ich heute zum Gottesdienst auf dem Domplatz. Er findet im Rahmen des NRW-Tages statt. Auf der großen Bühne sitzen Politiker und Bedienstete der Kirche. Der Domplatz ist zu einem Drittel mit Besuchern (der Altersschnitt liegt optisch jenseits der 70) gefüllt. In der Ankündigung heißt es
Bischof Dr. Heiner Wilmer und Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder laden ein zum Gottesdienst zu dem Thema „Viele Stimmen. Eine Hoffnung“. Beteiligt sind Vertreter*innen verschiedener Religionsgemeinschaften, die Texte rezitieren. Die musikalische Begleitung des Gottesdienst übernehmen ein Projektchor, ein Projekt-Blechbläserensemble und eine Band.
Was wir hören ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel, Texte zur „Vielstimmigkeit“ und die laute Frauenstimme einer 50-Jährigen aus der Projektband. In der Predigt gibt es – wie gewohnt – einen Seitenhieb auf die Menschen, die „dumm“ die falschen Parteien wählen. Am Ende werden von Politikern, die nochmals in Gebet genommen, die die Mächtigen, die Bösen, die Demokratielosen sind und umkehren sollen.
Dann wird noch ein großer Luftballon mit Erdkugelbedruckung in die Menge geworfen, den die Besucherinnen dann „berühren“ und weitergeben sollen. So als Mitmachaktion.
Ich fühle nichts. Es ist noch nicht einmal eine Show. Es ist Vortragen von Musik und ein Verlesen von Texten + „Gebeten“, in denen es um die Anderen geht.
Meine Tochter fragt mich später, was für mich eine Format wäre, bei dem ich etwas fühlen könnte. Sie selbst sagt, dass sie Gemeinschaft mit Gleichaltrigen, Musik und Gesang liebt.
Für mich ist es eine Gemeinschaft, in der ich eine Verbindung zwischen Himmel und Erde und eine Verbindung mit den Menschen spüren könnte, insbesondere mit denen, die mir aufgegeben sind. Eine Atmosphäre in der wir mit unseren Kindern und Jugendlichen den Frieden Gottes, der höher ist als unsere Vernunft mit unseren Herzen und Sinnen erbitten, erfühlen und erflehen.