
Seit zwei Tagen sind wir in Krakau. Die Stadt überrascht mich und verströmt eine wunderbare Sommeratmosphäre – auf der Promenade während der Nachmittagshitze – an der Weichsel am Abend. Eine schöne polnisch-europäische-östliche Melange.
Radfahrer, Straßenbahnen, Autofahrer und Fußgänger fließen ineinander und begegnen sich freundlich an den Zebrastreifen. Die Stadt im Zentrum ist jung und voller Touristen und Straßenmusiker auf dem großen Marktplatz und an der Weichsel. Im jüdische Viertel ists ruhig und entspannt.
Die Wawel an der Weichsel und die gesamte historische Innenstadt sind Teil des UNESCO Weltkulturerbes.
Die Polen, die uns begegnen, sind irgendwie klar und freundlich und nicht laut. Ich mag das hier alles.

Ich wollte schon so lang „in den Osten“. Als 18-Jährige war ich mal bei einem europäischen Taizetreffen in Prag gewesen. 1990 habe ich mit einer Freundin einen Brieffreund aus Stettin besucht. Damals gab es diese Aktionen, dass man sich aus einer Liste, die in der Schule rumging, einen Brieffreund aussuchen konnte.
Unser Weg jetzt 2026 hat uns über Pirna an der Elbe und Breslau an der Oder hierher nach Krakau an der Weichsel geführt.
Heute waren wir in Auschwitz und Birkenau. Auch hierhin wollte ich. Ich suche weiter nach einem Weg, zu verstehen, wie wir Menschen sind und weiß doch, dass ich es nicht ergründen kann.
Es ist alles so schwer. Schweigen scheint die fast einzige Regung, die möglich ist.

Am Abend schauen wir uns den Film Schindlers Liste an. Er spielt in Krakau in der Zeit der Judenermordungen durch unsere Vorfahren – Deutsche auf allen Ebenen der Befehlsketten.
Ich halte mich fest an Victor Frankl, an Dietrich Bonhoeffer und an meinen Urgroßeltern und weiß doch, dass wir alle – alles in uns haben.
Ich möchte sensibel und mutig sein und ich möchte mich weiter dafür einsetzen, Begegnungen zu schaffen.
Ich habe mir die Biographie über den Lagerkommandanten von Auschwitz Rudolf Höß gekauft. Manfred Deselares hat dieses Buch verfasst. Er lebt seit 1990 in Oswiecien (Ausschwitz). Er arbeitet am Zentrum für Dialog und Gebet.