
Gedanken zum Gottesdienst auf dem Domplatz am NRW-Tag in Münster. Diesen habe, so zitiert das Bistum Münster auf seiner Onlineplattform am 31.08.2026, der Bischof mit der Präses gefeiert. Eine interessante Formulierung der Bistums-Redaktion. Hat der Redakteur es ähnlich erlebt wie ich?
Mit meiner Tochter komme ich heute zum Gottesdienst auf dem Domplatz. Er findet im Rahmen des NRW-Tages statt. Auf der großen Bühne sitzen Politiker, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Bischof von Münster, der Oberbürgermeister, der Superintendent und die Kantoren. Der Domplatz ist zu einem Drittel mit Besuchern, ü70 in Goretex-Jacken, gefüllt. Der Bischof und die Präses sind also nicht allein.
Was wir hören ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel, Texte zur „Vielstimmigkeit“ und die laute Frauenstimme einer 50-Jährigen aus der Projektband, die über den ganzen Domplatz schallt. Ein Liedblatt und gemeinsames Singen ist nicht angedacht! Unser Part ist es, auf die Akteure auf der Großbühne, bzw. die Riesen-Displays direkt daneben zu schauen.
Ich denke schon jetzt, das Kirchenschiff des Doms wäre würdevoller, als diese überdimensionierte Bühnen-Display-Kombi.
In der Predigt gibt es dann– wie gewohnt – einen Seitenhieb auf die Menschen, von denen es sich zu distanzieren gilt. Bischof Weimer ruft über den Domplatz eine Reihe von Gruppen auf, die er als „arm“ erkannt hat:
„Arm ist, wer das Land schlechter redet als es ist, wer vor Angst vergeht und die Freiheit eintauscht gegen Sicherheit. Arm ist, wer in der identitären Debatte meint, exakt sagen zu können, wer wir sind und wer die anderen sind, und dann munter ins Blaue wählt.
Es folgt der Applaus der „Zuschauer“.
Am Ende werden von Politikern, die nochmals in Gebet genommen, die die Mächtigen, die Bösen, die Demokratielosen sind und umkehren sollen.
Dann wird noch ein großer Luftballon mit Erdkugelbedruckung in die Menge geworfen, den die Besucherinnen dann „berühren“ und weitergeben sollen. So als Mitmachaktion. Man fühlt sich gut und schafft ein gutes Gewissen, bzw. etwas, das wie ein gutes Gewissen aussieht.
Ich fühle einen Druck im Magen, eine Abwehr, ein Fremdsein und eine tiefe Traurigkeit. Ich gehöre schon so lange zu evangelischen Kirche. Ich kenne diese Melodie. Sie lässt mich Stück für Stück fremd werden.
Warum diese einfachen Botschaften, warum diese wiederkehrenden Statements gegen „Rechts, blau, AFD“? Ist die Idee der Liebe des Christentum nicht eine ganz andere als diese erwartbare Klarstellung?
Meine Tochter fragt mich später, was für mich ein Format wäre, bei dem ich etwas fühlen könnte. Sie selbst sagt, dass sie Gemeinschaft der Gleichaltrigen, gemeinsame Musik und Gesang fühle.
Ich überlege: Ich suche nach Liebe, Würde und Ernst für die Aufgabe, im Antlitz des Anderen (Lévinas) Gott zu sehen und ich sehne mich nach einer Atmosphäre, in der wir gemeinsam mit unseren Alten, Kindern und Jugendlichen den Frieden Gottes, der höher ist als unsere Vernunft mit unseren Herzen und Sinnen erbitten, erfühlen und erflehen.